Block 3 · Praxis: Tauchgangsplanung

Ganz konkrete Tauchgänge planen

Einleitung

In diesem Teil soll es darum gehen, konkrete Tauchgänge zu planen: Nullzeittauchgänge, solche mit Deko, auch mit etwas mehr Deko – ganz unterschiedlich komplex.
Dennoch hat die Tauchgangsplanung immer die selben Komponenten: Die Gasplanung - wie stelle ich sicher, dass ich immer genug zu atmen habe? Die Deko- oder Nullzeitplanung: Wir organisieren wir als Team den Aufstieg? Und die Notfallplanung: Wie kriegen wir die Situation in den Griff, wenn etwas schiefgeht?
Was wir hier natürlich nicht liefern können ist die Planung der Logistik, des konkreten Tauchgangs - dafür sind die Gewässer weltweit einfach zu verschieden, und das liegt außerhalb dessen, was dieser Kurs vermitteln möchte.
Für die Tauchgangsplanung außerhalb der Nullzeitgrenzen solltest du eine Planungssoftware benutzen. Wir empfehlen hier Subsurface, die als Open Source Software für jeden zugänglich ist. Natürlich kannst du aber auch jeden anderen Planner verwenden.

Subsurface Divelog

Open Source Planungs- und Logbuchsoftware

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Gasplanung

Ein Kurs zu Dekotheorie, und dann stellen wir die Gasplanung noch vor die Dekoplanung? Das hat natürlich einen guten Grund: DCS ist zwar unangenehm, nimmt aber nur selten einen schweren Verlauf."Kein Atemgas mehr" hingegen ist ein häufiger Trigger für tödliche Tauchunfälle. Die Gasplanung ist deshalb mit Abstand der wichtigste Teil der Tauchgangsplanung.
Natürlich muss man bei komplexeren Tauchgängen das Tauchprofil kennen, bevor man die Gasplanung macht. In der Planung wirst du üblicherweise beides gleichzeitig im Blick haben.
Wir setzen in diesem Abschnitt voraus, dass du dein AMV (Atemminutenvolumen) kennst, es ausrechnen kannst, und nicht einfach tauchst bis die Flasche leer ist. Wenn du dir da unsicher bist, kannst du die Grundlagen noch mal nachlesen.

Grundlagen der Gasplanung

Wiederholung der Basics

Mininum Gas - Rock Bottom

Die Grundlage jeder Gasplanung ist immer der selbe Gedanke: Wie kann ich sicherstellen, dass ich auch dann noch sicher an die Oberfläche komme, wenn eine Atemgasversorgung komplett ausfällt?
Wir wissen, dass Equipment versagen kann, und gehen vom Worst Case aus - und das im schlimmsten Moment des Tauchgangs, nämlich auf der maximalen Tiefe.
Im einfachsten Fall, und den schauen wir zuerst an, geht es um einen Sporttauchgang im Buddy-Team mit einer Monoflasche.
Wenn einer von beiden kein Atemgas mehr hat, muss das Team in der Lage sein, gemeinsam mit dem Rest aus einer Flasche die Oberfläche zu erreichen. Wie viel Gas dafür nötig ist, wird oft unterschätzt.

Minimum Gas berechnen: Entscheidungen

Um das Minimum Gas sinnvoll zu berechnen, brauchst du ein paar Fakten – und du musst an einigen Stellen bewusst Entscheidungen treffen. Die folgenden Punkte helfen dir, die Annahmen transparent zu machen.

  • AMV von dir und deinem Buddy: Manche Verbände arbeiten mit einem „Standard-AMV“. Das kann in der Praxis passen, kann aber auch danebenliegen – im Zweifel zu hoch (übervorsichtig) oder zu niedrig (unangenehm knapp). Dein eigenes AMV zu kennen ist immer die bessere Grundlage.
  • Zeit in der Tiefe bis zum tatsächlichen Aufstieg: Nach einem Problem startest du nicht automatisch sofort den Aufstieg. Man organisiert sich, kommuniziert, sortiert das Team, versucht vielleicht noch kurz eine Lösung. Viele planen hier 2 Minuten ein – je nach Erfahrung, Training und Szenario kann das aber auch etwas weniger oder mehr sein.
  • Atemantrieb unter Stress: Das ist schwer vorherzusagen. Kurzzeitig kann das AMV stark ansteigen (auch auf das 4- bis 5-Fache), aber meist nicht lange – sonst ist die daraus entstehende Panik das größere Problem. Als praktikable Annahme wirkt häufig: Verdopplung des Verbrauchs unter Stress.
  • Bleibt der Stressverbrauch beim Aufstieg bestehen? Wenn die Situation wieder unter Kontrolle ist, kann sich die Atmung normalisieren. Du kannst hier entscheiden, ob du für den Aufstieg z. B. nur noch mit dem 1,5-Fachen des normalen AMV rechnest – oder ob du konservativ bei dem Wert aus der Tiefe bleibst.
  • Zusätzliche Reserve: Ein Finimeter ist kein Präzisionsinstrument, und die „letzten“ Bar sind praktisch nicht vollständig nutzbar: Irgendwann liefert der Regler unter dem eingestellten Mitteldruck nicht mehr stabil. Eine zusätzliche Reserve von 10 bis 30 bar ist deshalb sinnvoll.

Mit dem Minimum-Gas Rechner kannst du durchspielen, wie sich die verschiedenen Faktoren auf euer Minimum Gas im Team auswirken. Wie viel bar müssen an der tiefsten Stelle immer noch in der Flasche bleiben, um einen sicheren Aufstieg im Notfall zu garantieren?

Gasplanung mit Dekogasen

Sobald man ein weiteres Gas dabei hat, verändert sich auch die Gasplanung. Das Bottomgas muss jetzt nicht mehr bis an die Oberfläche reichen, sondern den Buddy nur bis zu der Tiefe bringen, auf der man auf das Dekogas wechseln kann. Das reduziert den Bedarf erheblich.
Dafür kommt aber eine weitere mögliche Komplikation dazu: Auch das Dekogas kann ausfallen. Man muss also für beides planen: Den Buddy mit zum Gaswechsel bringen, oder den Verlust des eigenen Dekogases ausgleichen. Wir gehen nicht davon aus, dass beides gleichzeitig ausfällt. Meistens wird der Aufstieg mit dem Buddy bis zur MOD des Dekogases mehr Gas erfordern, man sollte aber beide Probleme einmal durchrechnen.
Da die Flaschen, die man zur Verfügung hat, üblicherweise feststehen, beginnt man hier die Planung damit, im Planer einzutragen, mit welchen Gasen und welchen Flaschengrößen man taucht. Dazu lässt sich üblicherweise das AMV eintragen, manchmal auch das AMV des Buddys.
Als nächstes kommt erst mal das Tauchprofil und die Deko. Erst wenn man das kennt, kann man sich anzeigen lassen, wie viel von welchem Gas man verbraucht, wenn alles läuft wie geplant. Das ist hilfreich: Wir sollten beim Blick aufs Fini nur noch bestätigt bekommen, was wir schon wissen, und uns vorher angeschaut haben, wie viel bar zu welchem Zeitpunkt noch in der Flasche sein sollten.
Dann kommt das Minimum Gas dazu. Am Ende unserer Grundzeit muss das immer noch übrig sein. Minimum Gas ist hier der größere Wert: Aufstieg mit dem Buddy, oder eben Deko mit ausgefallenem Dekogas.
Man wird in der Praxis häufig planen, wie viel Gas man wohl verbraucht, sicherstellen, dass genug dabei ist, und dann das Minimum Gas als eine der Grenzen setzen. Erreicht einer sein Minimum Gas, beginnt man den Aufstieg.
Die Gasplanung kann sich von Planner zu Planner unterscheiden.
Bei Subsurface kann man ein AMV für die Grundzeit und ein anderes für die Deko eintragen, aber kein eigenes für den Buddy. Man bestimmt, um wie viel erhöht der Verbrauch ist - und Achtung: Hier muss der Buddy mitgerechnet werden, mal 4 wäre "zwei Personen, die doppelt so viel atmen wie normal". Und man gibt die Zeit zur Problemlösung ein. Zusätzlich muss man dann einmal das Dekogas deaktivieren, und sich anschauen, wie sich der geplante Verbrauch ändert.
Bei MultiDeco kann man das eigene AMV und das des Buddys getrennt eingeben und dann entscheiden, nach welchem Konzept man den Umkehrpunkt bestimmen möchte. Die hier vorgestellte Version kommt Rock Bottom DIR am nächsten, voreingstelt ist hier die Annahme von 2 Minuten Zeit zur Problemlösung und einem 1,5 fach höheren Verbrauch als normal. Und man kann sich Pläne für einen Gasverlust und Variationen in Tiefe und Zeit anzeigen lassen, oder auch die maximale Grundzeit basierend auf dem Gasvorrat finden. Das macht die Planung etwas einfacher, dafür kostet das Programm aber auch etwas.
Da die Grundregeln sich bei allen Plannern gleichen, kannst du mit dem folgenden Quiz überprüfen, ob du die wichtigsten Punkte verstanden hast.

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Aufsteigen: Nullzeit, Deko, mehr Deko

Der zweite wichtige Teil jeder Tauchgangsplanung besteht darin, die Grenzen festzulegen - seien es die Nullzeitgrenzen, die GFs, die das Team verwendet, die komplette Runtime oder die maximale TTS.

Nullzeittauchgänge

Die allermeisten Tauchgänge finden ohne große Planung statt. Man legt die maximale Tiefe und oft die maximale Zeit fest, manchmal darf auch der Luftverbrauch die Zeit bestimmen. Und dann vereinbart man, innerhalb der Nullzeitgrenzen zu bleiben.
Solange man hier abgesprochen hat, welches Minimum Gas man auf jeder Tiefe noch haben sollte, reicht das als Planung auch völlig aus - niemand muss jeden Tauchgang vorab am Computer durchspielen.
Was aber wichtig ist: "Nullzeit" ist abhängig vom Tauchcomputer und den persönlichen Einstellungen. Wenn man sich entschieden hat, eine konservativere Einstellung zu verwenden, dann muss das im Team kommuniziert werden. Man hat dann nämlich plötzlich "Deko", während alle anderen noch in der Nullzeit sind. Das ist nicht weiter schlimm, ganz im Gegenteil, aber es erfordert eben mehr Zeit im Flachen zum Ende des Tauchgangs, und das sollte abgesprochen werden.
Wichtig ist das besonders für Guides: Manche Taucher werden Deko auf ihrem Computer haben, während man eigentlich einen Nullzeittauchgang guidet. Das ist in Ordnung, aber es ist immer gut, das vorher zu wissen - also: einfach mal fragen, ob jemand andere Einstellungen benutzt, und damit dann auch etwas anfangen können, ist immer gut.

Dekotauchgänge mit und ohne Dekogase

Sobald die Nullzeit überschritten wird, sollte man den Tauchgang etwas besser planen. Einfach so "in die Deko rutschen" ist zwar auch nicht schlimm, wenn es nur um ein paar Minuten geht und man sicher genug Gas dabei hat - aber man sollte dafür schon wissen, was man tut. Und je länger die Deko wird, umso gründlicher muss die Planung sein.
Ohne Dekogas wird sehr schnell der Gasvorrat und die Anforderungen an das Minumum Gas den Tauchgang limitieren. Wenn zwei Personen auch noch die Deko gemeinsam aus einer Flasche machen müssen, kommt man sehr schnell an die Grenze. Deshalb ist bei mehr als ein paar Minuten Deko ein Dekogas wirklich sinnvoll.
Wir haben in dem Block über Dekogase schon gesehen, wie Dekogase die Dekompression verbessern und verkürzen, und Tipps gegeben, wie man sie auswählen kann. In der Tauchgangsplanung erstellen wir mit unserem Planer das Profil, das wir tauchen möchten, mit den Gasen, für die wir uns entschieden haben.
Wir müssen dabei kein Rechteckprofil planen, sondern können mehrere Levels aufnehmen. Gerade bei Landtauchgängen ist es ja normal, dass man erst mal etwas flacher unterwegs ist, bis man dann in die Tiefe kommt. Damit der Plan so nah wie möglich an der Realität ist, sollten wir das mit berechnen. Und wenn wir vorab wissen, dass wir nicht die gesamte Zeit auf der maximalen Tiefe verbringen wollen, sondern ein Teil schon wieder etwas flacher ist - wie etwa bei einem Wrack, das man von unten nach oben anschaut - dann kann man auch das planen. Damit liegt der Plan so nah wie möglich an der Realität.
Der Plan wird ausgegeben in einer Runtime-Tabelle: Wo ist man in jeder Minute des Tauchgangs. Dieser Runtime kann man dann einfach stur folgen - nimmt damit aber Abstriche in der Flexibilität in Kauf.
Da wir heute mit Computer und oft noch mit einem Backup Computer tauchen, können wir den natürlich nutzen. Dafür ziehen wir aus unserem Plan die Information, wie lang der geplante Aufstieg insgesamt dauert. Das ist dann unsere maximale Time to Surface (TTS). Wir haben sichergestellt, dass dafür auf unserer maximalen Tiefe immer genug Gas da ist, und können einfach tauchen, bis entweder das Minimum Gas oder die vereinbarte TTS erreicht werden. Die geplante Runtime ist dann nur noch ein Backup.

Ablaufschema: Tauchgangsplanung

Egal, mit welchem Planner du arbeitest - hier kannst du schauen, ob du alles bedacht hast. Wir legen erst die Eckdaten fest, rechnen dann den Plan – und am Ende werden wir einmal bewusst mögliche Probleme und Notfälle mitdenken. Mit ins Wasser nimmst du die geplante Runtime, deinen Computer, alle notwendigen Backups und dein fest installiertes Brain 1.0. Dort sollten maximale Tiefe, Minimum Gas und maximale TTS als Grenzwerte sicher abgelegt sein.

Schritt 1: Eckdaten festlegen

  • Strömung, Temperatur, Einstieg/Ausstieg, Bedingungen, Team.
  • Der tiefste Punkt bestimmt die Wahl des Bottom Gases und das Minimum Gas.
  • Die „Bottom time“ bestimmt massgeblich die Deko und muss für die geplante Tauchzeit und Dekogase realistisch sein.
  • Rechteckprofil oder Multilevel? Das muss für Deko- und Gasplanung annähernd realistisch geplant werden.
  • Best Mix für die Tiefe oder akzeptabler, verfügbarer Mix in ausreichender Menge
  • Welche Gase, welche Menge?
  • Wechsel an der MOD oder erst beim ersten Dekostopp? Zusätzliche Zeit nach dem Gaswechsel?
  • Ein Team nimmt idealerweise die selben Einstellungen - das muss vorher abgesprochen werden. Grundregel: Es wird der niedrigste im Team akzeptierte GF High genommen.
  • Der reale Verbrauch des Teams, und die gewählten Parameter für das Minimum Gas bestimmen.

Schritt 2: Planung (rechnen & plausibilisieren)

  • Weg bis zur maximalen Tiefe, Grundzeit, Aufstieg, Deko - daraus direkt die TTS bestimmen.
  • Plausibilitätscheck: passt das zu den Flaschengrößen und Fülldrücken?
  • Reserve so rechnen, dass ein Problem am tiefsten Punkt abgedeckt ist. Check: Ist das Minimum Gas zu Beginn des geplanten Aufstiegs noch da?
  • Was passiert, wenn ein Gas fehlt oder nicht atembar ist? Alternative Stops/Gase?
  • Was passiert, wenn etwas schiefgeht und man den geplanten Aufstieg verpasst? Reichen die Gase trotzdem, und kann man die Deko trotzdem realistisch durchführen?

Schritt 3: Plan festhalten

  • Geplante Runtime und Notfallplan + 5 min in die Wetnotes schreiben und mitnehmen. Trotz Computer: So merkt man sich die Eckdaten besser.
  • Was ist das Minimum Gas im Bottom Gas? Merken, und vereinbaren, wie lang vorher man dem Buddy den aktuellen Flaschendruck kommuniziert
  • Die geplante TTS als maximale Grenze merken und vereinbaren, wie lange vorher man mit dem Buddy die aktuelle TTS kommuniziert.
  • Sind alle wirklich mit dem Plan einverstanden und haben sich die Parameter korrekt gemerkt/aufgeschrieben?
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Plan B: Was, wenn etwas schiefgeht?

Wir haben bei der Gasplanung und auch bei der Dekoplanung schon gesehen, dass man IMMER mitdenkt, dass etwas schiefgehen kann. Jedes Gas kann ausfallen, man kann aus Versehen oder aufgrund eines Zwischenfalls länger brauchen als geplant, und dafür haben wir direkt in der grundlegenden Tauchgangsplanung vorgesorgt. Auch wenn etwas schiefgeht, schaffen wir es noch sicher an die Oberfläche.
Hier noch mal zusammengefasst die Plan B - Varianten für Gasplanung und Deko, und einige Überlegungen zur Redundanz im Equipment.

Gasverlust

Wir sind in der Lage, den Verlust des Bottom Gases oder eines Dekogases auszugleichen.
Wir haben durchgerechnet, dass unser Bottomgas auch für die Deko reicht, wenn nur ein Dekogas dabei ist; oder dass ein Dekogas reicht, wenn eigentlich zwei dabei sind. Damit ist sichergestellt, dass jeder alleine sicher an die Oberfläche kommen kann.
Im Team hat man aber die Möglichkeit, das Dekogas vom Buddy zu bekommen. Entweder nachdem der mit diesem Gas fertig ist, oder man reicht es sich mehrmals hin und her. Wie man genau damit umgehen möchte, sollte man vorher absprechen - und das Weitergeben einer Stage auch immer mal wieder üben.

Es wurde doch tiefer/länger

In der Planung haben wir einen Notfallplan für 5 Minuten mehr in der Tiefe durchgerechnet, und sehen den als notfalls noch akzeptabel an. Wenn es etwas tiefer wurde als geplant, sollte man im Blick behalten, dass die Minimum Gas Rechnung auch etwas tiefer noch aufgeht und das Gas noch atembar ist. Solange man die geplante TTS nicht überschreitet, kann man den Tauchgang wie geplant beenden.
Da die Gase und unsere ganze Planung auf eine bestimmte Maximaltiefe ausgelegt sind, sollte man diese nicht einfach so überschreiten. Wenn man tiefer will - lieber dafür korrekt planen. Das zu planen, was das Brevet erlaubt, und dann etwas ganz anderes zu tauchen, ist definitiv keine gute Praxis.

Redundanz: Alles kann kaputtgehen

Bei einfachen Tauchgängen innerhalb der Nullzeitgrenzen ist das Thema Redundanz nicht sehr verbreitet. Guides haben meistens ein wenig Zusatzblei, eine Ersatzmaske, vielleicht sogar ein Extra Flossenband, aber für die meisten Taucher liegt die Redundanz im Buddy oder eben dem Guide.
Je komplexer der Tauchgang ist, umso mehr sind wir darauf angewiesen, dass das Equipment wirklich funktioniert. Wir nehmen deshalb viele Dinge doppelt, bei manchen Tauchgängen sogar dreifach mit.
Dabei gilt die Grundregel: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Alles, was ein ernsthaftes Problem darstellen würde, wenn es ausfällt, muss doppelt dabei sein - aber eben auch nicht mehr. Ich kann ohne Maske nicht weitertauchen, geschweige denn den Computer ablesen? Zweite Maske. Wenn ich mich losschneiden muss, und mir fällt ein Messer aus der Hand, will ich ein zweites ziehen können. Wenn der Computer ausfällt und ich nicht einfach so auftauchen kann, brauche ich einen zweiten - oder Runtime und Bottom Timer.
Und natürlich ist die Redundanz gerade bei der Gasversorgung wichtig. In mehr als 40m Tiefe ist es mehr als nur sinnvoll, sich nicht mehr ausschließlich auf den Buddy zu verlassen. Man wird also üblicherweise mit einem Doppelgerät oder zwei Sidemount-Flaschen tauchen - damit hat man auch bei einem Gasverlust immer noch einen Teil des eigenen Atemgases zur Verfügung. Die Hilfe vom Buddy ist dann gut, aber nicht mehr überlebensnotwendig - jeder ist für sich selbst redundant.

Was, wenn...? Echte Notfälle

Leider kann es auch bei der besten Planung und aller notwendigen Vorsicht zu einem echten Tauchunfall oder einem medizinischen Notfall beim Tauchen kommen.
Das ausführlich zu besprechen, sprengt hier den Rahmen. In der Tauchgangsplanung muss aber auch abgesprochen werden, wie man vorgeht, wenn etwas wirklich schief geht.

  • Wie bekommt man jemanden aus dem Wasser?
  • 112 oder andere Nummer, Handyempfang, Zeit bis der Rettungsdienst eintrifft?
  • Notfallsauerstoff – extra und/oder aus den Tauchgasen?
  • Hotline der Versicherung?

Und was man im Team auch mal besprechen kann: Zu welchem Risiko wäre man denn bei bestimmten Problemen unter Wasser bereit? Man muss sicher keine GF 40/60 austauchen, wenn jemand gerade ein ernstes medizinisches Problem hat – aber wo würde man in welchem Fall die Grenze setzen?